Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie feiert in diesem Jahr ihr 100-jähriges Bestehen. Die Wurzeln unseres Faches und damit auch der Fachgesellschaft liegen zu einem nicht unerheblichen Teil in der Militärchirurgie (19. – 20. Jahrhundert). Insofern ist es mehr als erfreulich und ein deutliches Signal, dass ein Sanitätsoffizier als Staatsbürger in Uniform unsere Fachgesellschaft in diesem Jubiläumsjahr leitet.

Umso mehr ist es erschreckend und verstörend zugleich, dass wir uns erneut mit den grausamen und barbarischen Bildern eines Angriffskrieges im Herzen von Europa auseinandersetzen müssen. So bekommt unser Rückblick auf die Geschichte unserer Fachgesellschaft einen ganz besonderen Bezug zur Tagesaktualität, wie wir ihn uns vor einer Weile noch nicht vorstellen konnten. Erlauben Sie uns die Bemerkung, dass Freiheit und Sicherheit keine Selbstverständlichkeiten sind. Sie müssen erarbeitet, gelebt und, wenn nötig, verteidigt werden. Dies ist ganz offensichtlich nun auch bei uns wieder als Erkenntnis neu gereift, hatten wir doch gehofft, unsere Friedensdividende nach dem Zusammenbruch des Eisernen Vorhangs 1991 währt ewig.

Auch wenn eine wissenschaftlich-medizinische Fachgesellschaft primär keine außenpolitische oder sicherheitspolitische Position beziehen sollte, so darf der Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie dennoch auf diesem Weg dem unabhängigen ukrainischen Staat seine volle Solidarität bekunden und steht den Opfern des Krieges und der ukrainisch-medizinischen Gesellschaft jederzeit zur Seite.

Präzise Angaben zur Anzahl der Opfer fehlen gänzlich. Es steht jedoch zu befürchten, dass die Eskalation der militärischen Gewalt eine erhebliche Zahl an Verletzten und Toten zur Folge haben wird. Die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie steht mit all ihren Mitteln zur Unterstützung bereit, der politische Wille, dies zu tun, wäre uns ein wichtiges Signal.
 

Mit vielen Grüßen in der Hoffnung auf ein baldiges Kriegsende

Für den Vorstand der DGU

Prof. Dr. Benedikt Friemert, Präsident der DGU
Prof. Dr. Dietmar Pennig, Generalsekretär der DGU
Prof. Dr. Sascha Flohé, Schriftführer der DGU