Preis für klinisch-orthopädische Forschung

Die Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) vergibt alle zwei Jahre den Preis für klinisch-orthopädische Forschung (ehemals Konrad-Biesalski Preis). Er dient der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und zeichnet besondere Leistungen auf dem Gebiet der klinisch-orthopädischen Forschung aus. Der mit 10.000 Euro dotierte Preis wird anlässlich der Jahrestagung der DGOOC auf dem Deutschen Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) verliehen.
Bewerbung
Für den Preis werden bewertet:
- die Originalität der Arbeit
- die Methodik, die Klarheit der Darstellung und das Ziel der Arbeit, insbesondere welche Bedeutung die Arbeit für die klinisch-orthopädische Forschung hat
- der wissenschaftliche Wert der Arbeit
- die Berücksichtigung der einschlägigen deutschen und internationalen Literatur.
Die Arbeit darf im aktuellen oder den vergangenen zwei Kalenderjahren in einer anerkannten deutschen oder fremdsprachigen Zeitschrift oder als selbstständige Veröffentlichung in Buchform erschienen oder in einem Manuskript niedergelegt sein. Eine bereits mit einem anderen Preis ausgezeichnete Arbeit darf nicht eingereicht werden. Wurde die Arbeit bereits in einer anderen Preisausschreibung eingereicht, ohne ausgezeichnet worden zu sein, so ist dies im Anschreiben anzugeben.
Eine eingereichte Preisarbeit darf nicht gleichzeitig für die Bewerbung um einen anderen wissenschaftlichen Preis eingereicht werden. Eine schriftliche Erklärung darüber ist beizufügen.
Bewerbungsunterlagen sind ausschließlich per E-Mail und als PDF-Dateien mit dem ausgefüllten Datenschutzformular bei der Geschäftsstelle der DGOOC einzureichen.
Bewerbungsschluss ist der 30. Juni 2024.
Preisträger seit 2024

Dr. Tu-Lan Vu-Han, Centrum für Muskuloskeletale Chirurgie (CMSC), Charité – Universitätsmedizin Berlin
Die 5q-spinale Muskelatrophie (SMA) ist eine neuromuskuläre Erkrankung, die zu den fünf Prozent seltener Erkrankungen gehört, die behandelbar sind. Die Wirksamkeit neuer Therapien führt zu einer dynamischen SMA-Patientenlandschaft. Das Fortschreiten der Krankheit und die Entwicklung der Skoliose, die nach wie vor schwer vorherzusehen ist, spielen eine zentrale Rolle. Historisch entwickelten bis zu 90 Prozent der Betroffenen eine neuromuskuläre Skoliose. In ihrer Arbeit befasst sich die Wissenschaftlerin mit neuen Ansätzen zur Vorhersage des Krankheitsverlaufs und der damit verbundenen Folgeerscheinungen.
Es wurde ein interpretierbares maschinelles Lernmodell (ML) entwickelt, das als Hilfsmittel bei der Vorhersage von SMA-assoziierter Skoliose auf der Grundlage von Krankheitsparametern dienen kann. Dafür wurden Daten von 86 genetisch bestätigten SMA-Patientinnen und -Patienten gesammelt und nach sechs ausgewählten Merkmalen im Laufe der Zeit routinemäßig untersucht, um ein Random-Forest-Modell zu trainieren.
Dieses trainierte Modell konnte Skoliose anhand ausgewählter Krankheitsmarker vorhersagen, die Vorhersage korrelierte dabei mit den Röntgenaufnahmen. Bei der Postvalidierung konnte das Modell Skoliose bei Patienten vorhersagen, die beim Training nicht gesehen wurden. Die Arbeit zeigt, dass Datensätze von seltenen Erkrankungen erfolgreich für die Entwicklung von KI-gestützten Modellen genutzt werden können und stellt so einen Lösungsansatz vor, um die neuen Herausforderungen durch Gentherapie-Behandlung zu bewältigen.
Preisträger bis 2022
1971 gab es die erste Ausschreibung. Die Verleihung des Konrad-Biesalski-Preises erfolgt alle zwei Jahre. Seit der Namensänderung 2014 heißt die Auszeichnung "Preis für klinisch-orthopädische Forschung".
| 2022 | Viviane Ständert | Berlin |
| 2021 | Dr. med. Darius Maximilian Thiesen Synchronous Periprosthetic Joint Infections - The Need for All Artificial Joints to Be Aspirated Routinely | Hamburg |
| 2020 | nicht verliehen | |
| 2018 | Prof. Dr. rer. nat. Jessica Bertrand The terminal complement pathway is activated in septic but not in aseptic shoulder revision arthroplasties | Magdeburg |
| 2016 | Dr. med. Dr. Ing. Martin Zens Kapazitive Polydimethylsiloxansensoren für biomechanische Anwendungen | Augsburg |
| 2014 | PD Dr. Thoralf Liebs The significance of an asymmetric extension gap on routine radiographs after total knee replacement: A new sign and its clinical significance | Kiel |
| 2012 | Prof. Dr. Wolfgang Lehmann Biomechanische Untersuchungen zu peri- und interprothetischen Frakturen am Femur | Hamburg |
| 2010 | PD Dr. Arne Müller Beurteilung der femoralen und periacetabulären spondiösen und kortikalen Knochendichte nach Hüftendoprothesen Implantation in-vivo mittels Computertomographie-gestützter Osteodensitometrie | Erlangen |
| 2008 | Dipl. Ing. Rüdiger Rupp Die motorische Rehabilitation von Querschnittgelähmten mittels Elektrostimulation – Ein integratives Konzept für die Kontrolle von Therapie und funktioneller Restitution | Heidelberg |
| 2006 | PD Dr. Robert Rödl Extremitätenerhaltende Tumorchirurgie | Münster |
| 2004 | PD Dr. Klaus Birnbaum Der Tractus iliotibialis und seine Relevanz für die Biomechanik des Hüftgelenkes | Aachen |
| 2002 | PD Dr. Andrea Meurer Elektromyographie und Goniometrie der menschlichen Gehbewegungen | Mainz |
| 2000 | PD Dr. Jürgen Forst | Aachen |
| 1998 | PD Dr. Karl-Dieter Heller Skoliose bei DUCHENNE-Muskeldystrophie | Aachen |
| 1996 | Dr. Adriano Murri Die orthopädie-schuhtechnische Versorgung des schweren funktionellen spastischen Spitzfußes bei cerebralen Bewegungsstörungen – eine ganganalytische Untersuchung | Stolzalpe |
| 1994 | PD Dr. Hans Henning Wetz Zur Definition und Bedeutung des dreidimensionalen Verlaufs der Drehachsen des menschlichen Kniegelenks für die Technische Orthopädie unter besonderer Berücksichtigung der topographischen und funktionellen Anatomie | Zürich/Schweiz |
| 1992 | PD Dr. Joachim Grifka Sonographische Stabilitätsdiagnostik des Kniegelenkes | Bochum |
| 1990 | Dr. Ing. Hilaire A. C. Jacob Biomechanics of the Forefoot | Zürich/Schweiz |
| 1989 | nicht verliehen | |
| 1987 | nicht verliehen | |
| 1985 | Dr. med. Dr. rer. nat. Günter Schumpe Zur Biomechanik des Kniegelenkes | Bonn |
| PD Dr. Helmut Blümlein Untersuchungen über die Biomechanik des Bewegungsablaufs von gesunden Probanden auf Rollgehbahn und auf der freien Laufstrecke sowie von Gonarthrosepatienten vor und nach der Implantation von Kniegelenksendoprothesen unter Anwendung eines online Messdatenerfassungssystems | Ebensfeld | |
| 1983 | Dr. Hans Joachim Hehne Das Patello-Femoral-Gelenk - Funktionelle Anatomie - Biomechanik - Chondromalacie und operative Therapie | Freiburg |
| 1981 | nicht verliehen | |
| 1979 | PD Dr. Margret Feldkamp Ganganalyse bei Kindern mit cerebralparetischen Bewegungsstörungen | Münster |
| 1977 | Dr. Ing. Manfred Nietert Untersuchungen zur Kinematik des menschlichen Kniegelenkes im Hinblick auf ihre Approximation in der Prothetik | Berlin |
| 1975 | Dr. Bernhard Tillmann Beitrag zur funktionellen Morphologie der Gelenkflächen. Dargestellt am Beispiel des menschlichen Hüft- und Ellenbogengelenkes | Köln |
| 1973 | Dr. René Baumgartner Beinamputation und Prothesenversorgung bei arteriellen Durchblutungsstörungen | Zürich/Schweiz |
| 1971 | nicht verliehen |